WAS WIR DIE REALITÄT NENNEN

WAS WIR DIE REALITÄT NENNEN

CHF 26.98
Angebotspreis  CHF 26.98 Normaler Preis 
Zu Produktinformationen springen
WAS WIR DIE REALITÄT NENNEN

WAS WIR DIE REALITÄT NENNEN

CHF 26.98
Angebotspreis  CHF 26.98 Normaler Preis 

Was wir die Realität nennen - Brain-Centric: wie das Gehirn die Welt intepretiert und wie wir dem Ganzen Leben einhauchen

Dieses Buch geht von einer einfachen Frage aus: Wie übersetzt das Gehirn die Welt in eine Welt? Das ist nicht die klassische Frage. Die Standardwissenschaft fragt: Wie repräsentiert das Gehirn die Welt? Sie setzt eine bereits vorhandene Welt voraus und ein Gehirn, das davon eine Kopie anfertigt. Brain-Centric schlägt etwas anderes vor. Es setzt eine Begegnung voraus zwischen einem namenlosen Kontinuum und einem biologischen Übersetzer. Das Produkt dieser Begegnung ist das, was wir das Reale nennen.

Was hat ein Koan mit Brain Centric zu tun? Dieses Koan findet sich im Plattform-Sutra und wird auch im Mumonkan zitiert.
Die klassische Fassung lautet:

Zwei Mönche stritten darüber, ob sich der Wind bewege oder die Fahne.
Der eine sagte: „Die Fahne bewegt sich.“
Der andere sagte: „Der Wind bewegt sich.“
Schließlich sagte der sechste Patriarch, Huineng:
„Nicht der Wind bewegt sich.
Nicht die Fahne bewegt sich."

"Euer Geist bewegt sich.“

Das Koan eignet sich geradezu ideal, um den Unterschied zwischen PS und PB zu illustrieren, da Huinengs Pointe strukturell genau das vorwegnimmt, was der Brain-Centric-Standpunkt formalisiert.

PS (Standardstandpunkt) — die Position der beiden Mönche

Beide Mönche argumentieren innerhalb der Welt des Wortes, ohne das zu bemerken. Sie streiten über die kausale Lokalisierung einer Bewegung: bewegt sich das Objekt (Fahne) oder das Medium (Wind)? Diese Frage setzt bereits voraus, dass "Fahne", "Wind" und "Bewegung" stabile, von einem Beobachter unabhängige Entitäten in einer objektiven Außenwelt sind. Der Streit ist also ein typischer PS-Fehler: er verwechselt das MIR (das innere Wirklichkeitsmodell, das aus der neuronalen Verarbeitung hervorgeht) mit der Realität selbst. Beide Positionen — "die Fahne bewegt sich" und "der Wind bewegt sich" — sind gleichermaßen Aussagen über bereits sprachlich stabilisierte Objekte, nicht über die vorsprachliche Erfahrung.

Huinengs Wende — der Sprung zu PB

Huinengs Antwort ("euer Geist bewegt sich") verschiebt den Ort der Bewegung nicht auf ein drittes Objekt, sondern auf den Wahrnehmungsprozess selbst. Das ist strukturell exakt die Bewegung, die der Brain-Centric-Standpunkt vollzieht: Er fragt nicht "welches Objekt in der Welt bewegt sich wirklich?", sondern "wie erzeugt das Gehirn überhaupt die Kategorie 'Bewegung', 'Fahne' und 'Wind' als getrennte, benennbare Einheiten?" Die vermeintlich objektive Szene ist bereits das Ergebnis einer neuronalen Katachrese — einer Übersetzung des kontinuierlichen, undifferenzierten Stroms der Ur-Welt in diskrete, benannte Objekte der Welt des Wortes.

Man könnte Huinengs Satz geradezu als Fußnote zur Unterscheidung Ur-Welt / Welt des Wortes lesen: In der Ur-Welt gibt es kein "Fahne bewegt sich" oder "Wind bewegt sich" — nur ein ungeteiltes sensomotorisches Kontinuum. Erst der Geist (das Gehirn als Übersetzungsapparat) zerlegt dieses Kontinuum in Subjekt, Objekt und Prädikat: "etwas" (Fahne) "tut etwas" (bewegt sich). Der Streit der Mönche ist symptomatisch für PS, weil er diese Übersetzungsleistung für unsichtbar hält und stattdessen so tut, als läge die Alternative "extern" in der Welt. Huineng deckt auf, dass die eigentliche Bewegung — die Konstruktionsleistung — im Betrachter liegt, nicht in den Objekten.


You may also like